„Man findet hier immer jemanden, der einem hilft." Das sagt eine 14-jährige Handballspielerin aus Liechtenstein. Als einzige Handballspielerin ihres Landes teilte sie sich ein Zimmer mit drei Schweizerinnen – und erlebte damit, worum es bei den ersten Talent Days Bodensee geht: Junge Talente lernen Gleichaltrige aus den Nachbarländern kennen, denen sie sonst höchstens im Wettkampf begegnen. Vom 25. bis 27. September kamen dafür rund 250 Sporttalente zwischen 12 und 14 Jahren aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein nach Bregenz und Dornbirn, jeweils in ihrer Sportart: Handball, Volleyball, Schwimmen oder Klettern.
Aus vier Ländern wird ein Team
Wie schnell das geht, zeigte sich schon am ersten Tag. Noch während des ersten Handballtrainings wurden die Jugendlichen gefragt, was sie bereits Neues erlebt hätten. Die spontane Antwort: „Alles." Die Jugendlichen trainieren sonst in vier verschiedenen nationalen Sportsystemen und treffen Gleichaltrige aus den Nachbarländern höchstens im Wettkampf. Wie groß die Unterschiede im Detail sind, merkte ein 14-jähriges Klettertalent aus Baden-Württemberg: „Mir ist aufgefallen, dass sie sich ganz anders aufwärmen als wir."
Von der Sporthalle ins Festspielhaus
Zum Auftakt am Freitag trainierte jede Sportart für sich. Am Abend kamen dann alle Athleten, Trainer und Betreuer zur Eröffnungsfeier ins Festspielhaus Bregenz, dorthin, wo im Sommer die Bregenzer Festspiele stattfinden. Dort warteten Mitmachstationen mit Darts, Tischkicker und VR-Stationen.
Am Samstag mischten sich die Sportarten. „Für mich war spannend zu sehen, wie das gemeinsame Athletiktraining mit Kletterern und Handballern funktioniert", sagt Klettertrainerin Anke Hoffmann aus Deutschland. „Im Handball herrscht Körperkontakt, die Sportlerinnen und Sportler haben eine andere Statur, müssen sich anders durchsetzen." In Workshops arbeiteten die Talente an ihren Zielen, die Trainerinnen und Trainer am Umgang mit Fehlern und an der Kommunikation. Daneben stand auch am Samstag Training in der eigenen Sportart auf dem Plan.
Am Abend war Anna-Maria Wagner zu Gast, zweifache Judo-Weltmeisterin und zweifache Bronzemedaillengewinnerin der Olympischen Spiele von Tokio. Für die 30-Jährige, die in Ravensburg aufgewachsen ist, war es ein „Heimspiel". Sie sprach über Motivation, Ziele und die Anforderungen des Spitzensports und beantwortete die Fragen der Jugendlichen. Ihr Rat: „Es macht nur Sinn, wenn man es wirklich will!" Man müsse bereit sein, mehr als 150 Prozent zu geben. Am Sonntag konnten die Jugendlichen das Gelernte in einer letzten Trainingseinheit noch einmal anwenden, bevor die Talent Days mit einer Abschlussveranstaltung im Festspielhaus zu Ende gingen. Gefragt, wie sie die drei Tage erlebt haben, hatten zwei 14-jährige Volleyball-Talente aus der Schweiz einen klaren Rat für alle, die künftig dabei sein können: „Macht auf jeden Fall mit, wenn ihr die Chance habt!"
Auch die Trainerinnen und Trainer lernen voneinander
27 Trainerinnen und Trainer aus den vier Ländern haben die Talente eingeladen und betreut, unterstützt von einem Organisationskomitee und zahlreichen Freiwilligen. „Für die jungen Sportlerinnen und Sportler ist es eine Ehre, hier dabei zu sein", sagt Jörg Mäser, Vorstand des Vorarlberger Schwimmverbandes. Klettertrainer Marvin Winkler aus Deutschland hat im Austausch vor allem über die Vereins- und Verbandsstrukturen der anderen Länder viel gelernt – sie unterscheiden sich teils stark. Der Liechtensteiner Volleyballtrainer Adrian Ritter sieht den Wert vor allem für die Jugendlichen: „Für viele Sportler ist es der erste Austausch mit anderen Nationen, es ist schön, dass sie diese Erfahrung machen und auch sehen können, dass sie die Chance haben, mal in ausländischen Teams zu spielen."
Von der IBK beschlossen, aus der Region getragen
Die Talent Days gehen auf einen Vorschlag der Nationalen Olympischen Komitees zurück. 2024 beschlossen die Regierungschefinnen und Regierungschefs der zehn IBK-Mitglieder, das Format umzusetzen. Die Umsetzung liegt bei einem eigens gegründeten Verein, in dem das Land Vorarlberg und der Landessportverband Baden-Württemberg federführend vertreten sind, in Kooperation mit den Sportämtern der IBK-Länder und -Kantone. Unterstützt wird das Projekt von den olympischen Dachorganisationen der vier Länder, gefördert im Rahmen des IBK-Kleinprojektefonds aus Interreg-Mitteln des Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein-Programms.
„Wir haben bei der Premiere gesehen, wie schnell aus Jugendlichen aus vier Ländern eine gemeinsame Gruppe werden kann. Diese Energie wollen wir mitnehmen und die Talent Days gemeinsam weiterentwickeln. Für 2028 hören wir genau hin, was die Jugendlichen uns zurückmelden: Sie wissen am besten, was bleiben soll und was wir besser machen können. Unser Ziel ist, dass aus den Begegnungen dieser drei Tage ein Netzwerk junger Sportlerinnen und Sportler rund um den Bodensee wächst." Das sagt Roman Hasler, Sprecher der IBK-Arbeitsgruppe Bewegung und Sport.
2028 geht es in Vorarlberg weiter
Die nächste Ausgabe ist vom 22. bis 24. September 2028 in Vorarlberg vorgesehen, danach sollen die Talent Days alle zwei Jahre stattfinden. Welche Sportarten und Programmpunkte 2028 angeboten werden, wird in den kommenden Monaten erarbeitet.
Mehr Informationen:
www.talentdaysbodensee.com