Der Bodensee war an diesem Tag mehr als nur Kulisse: Zwischen Friedrichshafen, Romanshorn und Bregenz wurde die MS Gunzo zum schwimmenden Treffpunkt für junge Menschen aus der gesamten Vierländerregion. Ein Tag auf dem Wasser bot Zeit für Gespräche, neue Begegnungen und die gemeinsame Arbeit an Ideen für die Zukunft.
Am 4. Juli 2026 kamen 75 Vertreterinnen und Vertreter aus 14 Jugendgremien zum ersten IBK-JugendZukunftsDialog dieser Art zusammen. Im Mittelpunkt standen die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen sowie das Schwerpunktthema des Zürcher IBK-Vorsitzjahres: Zukunftsvisionen und Zukunftsbilder. Die Jugendlichen hatten die inhaltlichen Schwerpunkte im Vorfeld selbst mitentwickelt.
Konkrete Vorschläge für die Bodenseeregion
In neun Workshops beschäftigten sich die Teilnehmenden mit Klimaschutz, erneuerbaren Energien, Bildung, Chancengleichheit, Barrierefreiheit und gesellschaftlicher Teilhabe.
Beim Ausbau erneuerbarer Energien wünschen sich die Jugendlichen mehr Tempo. Gleichzeitig sollen Naturschutz, Flächenverbrauch und Speichertechnologien stärker berücksichtigt werden. Auch der Schutz der Artenvielfalt und die Chancen einer nachhaltigen Wirtschaft spielten in den Diskussionen eine wichtige Rolle.
Für den Bildungsbereich formulierten die Jugendlichen ebenfalls konkrete Vorstellungen: kleinere Klassen, eine stärkere individuelle Förderung, mehr Schulsozialarbeit sowie moderne und barrierefreie Lernumgebungen. Beim Thema Barrierefreiheit nannten sie unter anderem Gebärdensprache an Schulen, visuelle Informationen bei Lautsprecherdurchsagen und mehr gesellschaftliche Inklusion.
Jugendbeteiligung wurde an Bord praktisch gelebt
Die Jugendlichen waren nicht nur Teilnehmende, sondern gestalteten den Dialog wesentlich selbst. Sie moderierten Programmpunkte, begleiteten die Workshops und präsentierten erste Ergebnisse. Zum Jugendmoderationsteam gehörten Carlos Chugh vom Kreisjugendrat Bodenseekreis, Luka Metz sowie die Vorarlberger Jugendbotschafterinnen Viola Amann und Lea Brauchle.
Die unterschiedlichen Lebensrealitäten der Teilnehmenden prägten den Austausch. Mit an Bord waren unter anderem Jugendliche mit Fluchterfahrung, junge Menschen mit unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen sowie Teilnehmende mit körperlichen Einschränkungen.
„Ich bin sehr froh, dass der JugendZukunftsDialog in dieser Form gelungen ist. Das war eine große Gemeinschaftsleistung und ein starkes Signal für die grenzüberschreitende Jugendbeteiligung in der Bodenseeregion", sagte Projektleiter Moritz Hermann von der Fachstelle Jugendbeteiligung des Bodenseekreises.
Die Ideen gehen an Land weiter
Mit dem Ende der Schifffahrt ist der Dialog nicht abgeschlossen. Eine Arbeitsgruppe bereitet die Workshop-Ergebnisse weiter auf. Die beteiligten Jugendgremien können die Vorschläge anschließend in ihre Regionen tragen und an Verantwortliche in Politik und Verwaltung weitergeben. Zahlreiche Kontakte sollen digital fortgeführt werden; erste gegenseitige Einladungen zu Veranstaltungen sind bereits geplant.
Der JugendZukunftsDialog fand auf Einladung der Internationalen Bodensee-Konferenz und der Fachstelle Jugendbeteiligung des Bodenseekreises statt. Umsetzungspartner waren der Bodenseekreis, der Landkreis Konstanz und die Jugendstiftung Baden-Württemberg. Ermöglicht wurde die Veranstaltung durch Mittel der IBK und des Erasmus+-Projekts „Young Skills – Young Voices!". Die Projektleitung lag bei der Fachstelle Jugendbeteiligung des Bodenseekreises in Kooperation mit Fachstellen und Jugendgremien aus Konstanz, Lindenberg, Liechtenstein, Vorarlberg und dem Thurgau.